|
|
|
Kriegsgefallenen ihre Würde zurückgeben
Sterbliche Überreste von russischen Soldaten nach 65 Jahren im Wald bei Döbern geborgen
von Angela Hanschke
Döbern. 65 Jahre haben die Gebeine von vier russischen Soldaten in einem Waldstück in Döbern gelegen. Namenlos und unentdeckt. Ein Einwohner wurde in den letzten Kriegstagen Zeuge ihrer Hinrichtung. Am Donnerstag hat Joachim Koziowski vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge gemeinsam mit vier Helfern vom „Verein zur Klärung von Schicksalen Vermisster und Gefallener" die sterblichen Überreste geborgen.
„Es hat mich all die Jahre bedrückt", sagt Zeitzeuge Karl-Heinz Pantke aus Döbern. Vor einigen Jahren hat er seinem Schwiegersohn aus Weißwasser von dem Ereignis erzählt. Dieser wiederum besuchte in Schleife eine Ausstellung über die Arbeit vom „Verein zur Klärung von Schicksalen Vermisster und Gefallener" und berichtete dort von den unentdeckten Soldatengräbern.
Als 13-Jähriger beobachtete Karl-Heinz Pantke aus Döbern mit zwei Gleichaltrigen, wie fünf bis sechs Wehrmachtssoldaten, die Maschinenpistolen im Anschlag haltend, vier russische Soldaten in den Wald trieben. Die Jungen schlichen hinterher und wurden so Zeuge der grausamen Erschießung. „Es waren blutjunge Soldaten - wahrscheinlich ein Spähtrupp", vermutet der heute 78-Jährige. Einer von ihnen war verwundet, wurde getragen. Ein anderer versuchte noch zum nahen Grubengewässer in der Nähe der Hedwigshütte zu fliehen, bevor ihn die Salve traf. „Unsere Neugier haben wir bitter bereut. Wir kämpften lange mit den Erinnerungen", berichtet Karl-Heinz Pantke.
Nur der Mutter und seinen Geschwistern habe er sich damals anvertraut. Die Hinrichtung müsse jedoch ein offenes Geheimnis in Döbern gewesen sein. Kurz nach der Erschießung sei der Döberner Polizist dort erschienen und habe einen erregten Disput mit den Wehrmachtssoldaten ausgetragen, erinnert er sich. 65 Jahre später haben die fünf Männer im Wald nahe der einstigen Hedwigshütte mit Sondiernadeln und Metalldetektoren den Waldboden abgesucht. Die Orientierung fiel schwer. Auf der einst mit Heidekraut bestandenen Lichtung, auf der die Döberner Jungen einen Bunker zum Spielen gegraben hatten, sind inzwischen Kiefern und Birken in die Höhe geschossen. „Wir haben vier Skelette gefunden. Es sind definitiv russische Soldaten", sagt Joachim Koziowski. als Dunkelheit und Regen das Weiterarbeiten behindern.
Aufgrund einer forensischen Ausbildung kann er anhand von Skeletten und Gebissen diese Aussagen mit großer Genauigkeit treffen. Der 38-Jährige ist der einzige hauptamtliche Umbetter im gesamten Bundesgebiet und im westlichen Teil Poheit und Regen das Weiterarbeiten behindern. Aufgrund einer forensischen Ausbildung kann er anhand von Skeletten und Gebissen diese Aussagen mit großer Genauigkeit treffen. Der 38-Jährige ist der einzige hauptamtliche Umbetter im gesamten Bundesgebiet und im westlichen Teil Polens. Unterstützung erhielt er am Donnerstag von vier Mitgliedern des Vereins zur Klärung von Schicksalen Vermisster und Gefallener.
Die Helfer sind von Beruf Installateur, Einzelhändler, Waggonbauer und Ruheständler. Der Jüngste unter ihnen ist der 35-jährige Jens Simonowski aus Görlitz. Bereits als Kind war er fasziniert von den Erzählungen seines Großvaters. Der Großvater mütterlicherseits blieb als Soldat in Osteuropa verschollen. Auch dessen ungeklärtes Schicksal habe ihn zum Verein geführt, sagt er, bevor er an seinen Arbeitsort zur Nachtschicht aufbricht.
Seine Mithelfer haben einen Urlaubstag für die Suche geopfert. „Für unsere ehrenamtliche Arbeit benötigen wir viel Akzeptanz unserer Ehepartner", stellt Ulrich Gojowszyk aus Schleife klar. „Die Umbettung russischer und deutscher Kriegsgefallener in den Seelower Höhen im Jahre 1994", nennt Joachim Koziowski vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsörge als sein Schlüsselerlebnis. „All diese jungen Menschen wurden um ihre Jugend betrogen. Ich will ihnen ihre Würde wiedergeben", sagt er.
Dankbar ist er deshalb für weitere Meldungen über bislang unentdeckte Soldatengräber. Die gefallenen Rotarmisten aus dem Döberner Wald werden auch weiterhin namenlos bleiben. Sie werden jedoch ihre letzte Ruhestätte auf dem Zubettungsfriedhof in Lebus in der Nähe von Frankfurt/Oder finden,
anal
|